Religion im Alltag entdecken – Stundenentwurf

Heidrun Henning

Evangelische Religion

Unterrichtsentwurf Evangelische Religion


Schule: Gemeinschaftsschule „Hagenberg“, Starenweg 20, 06485 Quedlinburg/ OT Gernrode

Tel.: 039485/ 52-0

Lerngruppe: 5/6

Raum: Musikraum

Schulleiterin:

Sequenz: Theologie – Biblische Gottesbilder und Fragen an Gott. Eine Spurensuche

Stunde: Das Religiöse als Geheimnis – eine Spurensuche


Inhaltsverzeichnis


1. Kompetenzorientiertes Lernziel

Die SuS können das Religiöse (Gott) als Geheimnis und Unverfügbares unter Anleitung der Lehrkraft aus religiösen Symbolen und der Geschichte von den „Himmelsfrauen“ wahrnehmen sowie durch einen Perspektivenwechsel im Unterrichtsgespräch zusammenfassend darstellen.

2. Bedingungsanalyse

Die zu betrachtende Lerngruppe ist der Kurs der Klassen 5a, 5b, 6a und 6b des evangelischen Religionsunterrichts der Gemeinschaftsschule in Gernrode.

Hier lernen 15 Schülerinnen und Schüler.1 Im folgenden mit SuS abgekürzt. Das sind acht Mädchen und sieben Junge. Acht SuS kommen aus den Klassen sechs sowie sieben SuS aus den Klassen fünf. Sie lernen seit Beginn des neuen Schuljahres, d.h. bisher zwei Unterrichtsstunden, gemeinsam. Auf Grund schulorganisatorischer Gegebenheiten ist das schulstufenadäquate Unterrichten nicht möglich.

Sie sind zwischen zehn und zwölf Jahren alt und somit in unterschiedlichen Entwicklungsprozessen involviert. Während der Großteil der hier zu betrachtenden Fünftklässler sich noch in einem grundsätzlichen Vertrauen in das vorhandene Elternhaus und die angebotene Schulstruktur bewegen, brechen einzelne Sechstklässler bereits aus und sind intensiv dabei, sich zu lösen und neue Orientierung einzufordern2Vgl. Fowler,J.: Stufen des Glaubens, Gütersloh 2000. Oser/Gmünder: Der Mensch- Stufen seiner religiösen Entwicklung, in: Büttner/Dieterich(Hg.), Die religiöse Entwicklung des Menschen, Stuttgart 2000, S.123-152. Schweitzer; Erikson: Vom Grundvertrauen zur Identität, in: Schweitzer: Lebensgeschichte und Religion, Güthersloh 2007, S.71-103., die mit dieser Stunde innerhalb der Sequenz angeboten werden soll.

Mit Ausnahme eines Schülers der sechsten Klasse besuchten alle bereits in der Grundschule bzw. seit der fünften Klasse den Religionsunterricht einer staatlichen Schule. Sieben SuS sind getauft. Sechs sind evangelisch, ein Mädchen gehört der römisch-katholischen Kirche an. Ein weiterer Schüler äußerte Interesse, sich taufen lassen zu wollen. Trotzdem ist eine religiöse Sozialisation nur in zwei Elternhäusern gegeben. Das positive Interesse am schulischen RU kann nicht darüber hinweg täuschen, dass von einem säkularisierten, alltagsgebräuchlichem Religionsverständnis3Pirner, M.: Kulturelle Transformation von Religion, in: Lachmann; Rothgangel; Schröder (Hg.): Christentum und Religionen elementar, Göttingen 2010, S. 313-327. ausgegangen werden muss. Bezogen auf die dargestellte Unterrichtsstunde bedeutet dies ein kleinschrittiges und vor allem niedrigschwelliges Herangehen an die Inhalte des Kompetenzschwerpunktes Theologie mittels bekannter Zeichen und Symbole. Auch wenn der Lehrplan der Grundschule 4Kultusministerium Sachsen- Anhalt (Hg.): Fachlehrplan Grundschule. Evangelische Religion.2007, S.7; 15. Umgang mit religiösen Sprachformen und Symbolen als Kompetenzziele aufweist, kann nicht von einem auf einheitlichem Wissen fundierten Verständnis innerhalb der Lerngruppe ausgegangen werden.5Vgl. Kommentierter Sitzplan im Anhang

Die SuS der sechsten Klassen erfahren, genau wie die Fünftklässler, in der hier geplanten Sequenz eine Erstbegegnung mit dem Kompetenzschwerpunkt Theologie. Das beruht auf den Besonderheiten der Planung von Doppeljahrgängen. Trotzdem ist von unterschiedlichen Ausgangspositionen auszugehen. Die älteren SuS verfügen über Kenntnisse der Symbole Kreuz, Engel, Krippe, so dass sie hier bereits eindeutiger wahrnehmen und abstrahieren können, die Fünftklässler6Ebd. benennen diese Zeichen und Symbole (vorherige Stunde).

Momentan befindet sich die Gruppe noch im (Neu-)finden eines sozialen Miteinanders, was durch das Einführen von Ritualen und klaren Abläufen gefördert wird. Hier zeigen sich die SuS offen, da sie Ritualisierung aus dem Vorjahr bzw. der GS kennen.

Die Methode des Erkundens wie auch des erzählenden Präsentierens sind bekannt, wobei hier auf Fokussierung geachtet werden muss. Das Hören von Geschichten war und ist zentraler Bestandteil des Religionsunterrichts. Hier gilt es besonders auf N.N. zu achten, der eine diagnostizierte ADHS vorweist und je nach Tagesform (Wirkung des Medikaments) Schwierigkeiten beim Konzentrieren aufweist. Hilfen, wenn Bedarf besteht, erhält er durch vorbereitete Applikationen, die ihn zum Inhalt zurückführen sollen.

Eine stündliche Feedbackkultur wird gerade etabliert, wobei ich kein Unverständnis erwarte.

Neben der Arbeit an den prozessbezogenen Kompetenzen „Wahrnehmung/Darstellung“ wird in der vorliegenden Stunde auch an grundsätzlichen Kompetenzen wie Sprach- und Lernkompetenz7Kultusministerium Sachsen- Anhalt (Hg.): Lehrplan Sekundarschule. Grundsatzband.2012, S.12. gearbeitet. Hier weisen vier SuS ein hohes Niveau auf, von denen zwei in der Lage sind, entsprechend der Aussagen in der Fachlehrerkonferenz, komplexe Zusammenhänge mündlich darzustellen. Bei der Entwicklung dieser Kompetenz gilt N.N. erhöhte Beachtung. Sie wird im Förderbereich Sprache mit besonderer Aufmerksamkeit unterrichtet und benötigt beim eigenständigen Artikulieren und Formulieren Ruhe sowie Konzentration, was ihr durch die zu schaffende Lernatmosphäre in der Stunde geboten werden soll.

3. Analyse des Unterrichtsgegenstandes

„Viele Menschen sind von etwas ergriffen, was sie unbedingt angeht, aber sie fühlen sich jeder konkreten Religion fern, gerade weil sie die Frage nach dem Sinn ihres Lebens ernst nehmen. Sie glauben, dass ihr tiefstes Anliegen in den vorhandenen Religionen nicht zum Ausdruck gebracht wird und so lehnen sie Religion ab ‚aus Religion‘.“8http://www.dober.de/reli-rallye/tillich.html aus: Tillich, P.: Die verlorene Dimension, Stuttgart 1969.

Die Worte des evangelischen Theologen Paul Tillich (1886- 1965) beschreiben sowohl das, was Religion im geschichtlichen Zusammenhang war als auch das Dilemma, in dem sich Erklärungen im 20. Jahrhundert befinden. Religionen sind in all ihrer Vielfalt vorhanden, sie bieten Ausdrucksformen, Partner, Hilfen, aber sie scheinen einer Vielzahl von Menschen heute nicht mehr vermittelbar.

Seit dem zu denkenden Beginn erleben und praktizieren Menschen Vollzüge, die man als religiös bezeichnen kann. Die Welt ist voll von Spuren, die Religionen hinterlassen haben, von archaischen Systemen bis Hochkulturen. Aber was soll es sein, das Religiöse?

Der Begriff ist dem Lateinischen „religare“ entlehnt und bedeutet „rückversichern“, „zurück verbinden“, „sich an etwas festmachen“9https://www.bibelwissenschaft.de/wirelex/das-wissenschaftlich-religionspaedagogische-lexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/religion/ch/e0301487880432cb1938da48a2cb907c/, wobei anzumerken ist, dass auch hier gegensätzliche Erklärungsversuche in der Fachliteratur zu finden sind. Mit Blick auf die Stunde beschränke ich mich hier auf die Ausdrucksformen von Religiösem als eine Möglichkeit, sich begründet zum letztlich Unverfügbaren zu verhalten.10Kultusministerium Sachsen- Anhalt. (Hg.) Fachlehrplan Sekundarschule. Evangelische Religion.2012, S.3. Solche Ausdrucksformen sind z.B. Symbole, gemeinsame Handlungen, die zu Ritualen werden können, Bauwerke u.a. Allen gemein ist das Erlangen einer Gruppenidentität bzw. eines gemeinsamen Grundverständnisses, was sich allerdings in unserem Jahrtausend immer vielschichtiger differenziert. Dennoch lässt sich ein Konsens erkennen: der Zugang zum Verständnis der Welt, das Aufgreifen und Ernstnehmen der existentiellen menschlichen Fragen „Wo komme ich her?“ „Wo gehe ich hin?“ „Warum bin ich hier?“ „Kommt da noch etwas?“ und eine Suche nach dem Mehrwert unseres Daseins: „Die Wirklichkeit der Welt und des Lebens gründet sich auf Fakten und Zahlen, aber sie geht nicht in diesen auf.“11Sachwissen Religion. Freudenberg, H.; Großmann, K. (Hg.).Göttingen 1995. S.9.

Zur Verdeutlichung dessen bietet sich das gewählte afrikanische Märchen „Augen für das Unsichtbare“12Jele, F.: Augen für das Unsichtbare. Grundfragen und Ziele religiöser Bildung. Zürich/ Köln 1981. S.94f. an. Dem Rinderhirten bleibt das ungegenständliche Geheimnis des Lebens verborgen, gleichzeitig ist ihm die Unvollkommenheit des Lebens ohne die Inhalte des Korbs schmerzlich bewusst geworden.

Ich schließe mich einerseits dem Verständnis von P. Tillich an, dass Religiöses, wenn es lebensbedeutend sein soll, Menschen in unterschiedlichen Ebenen „ergreifen“ muss, es muss sie etwas angehen. Andererseits möchte ich mich von der daraus leicht entstehenden Beliebigkeit abgrenzen. Das Religiöse, im wissenschaftlichen Horizont, verlangt nach Begründungen, nach Ausdrucksformen, nach kontroversen Betrachtungen innerhalb der Religionskritik. Über archaische Formen 13Otto, G. (Hg.): Sachkunde Religion 1.Stuttgart 1994. S.260., Praktiken in der griechisch-römischen Antike, Jesus von Nazareth, die paulinische Zeit, über Thomas von Aquin bis  Martin Luther fanden wir gesetzte Grundannahmen, die durch Autoritäten, verkörpert in Personen, dann durch die Institution Kirche bestimmt wurden. Mit der Aufklärung etablierte sich eine natürlich moralische Religion, die, idealerweise, von der autonomen Vernunft des Menschen bestimmt wird. Dadurch bildet sich neues Konfliktpotential, ein dualistisches Welt- und Menschenbild, d.h. Mensch und Welt/Geschöpf und Schöpfung werden auseinandergerissen. Die anfängliche Einheit verkümmert. Diese Entwicklung einer theologischen Neuorientierung griff in beeindruckender Weise Dietrich Bonhoeffer im 20. Jahrhundert in seinen Schriften auf 14Feil, E.: Die Theologie Dietrich Bonhoeffers, München/Mainz 1971. S.346.. Er plädierte für ein theologisch reflektiertes Engagement in und mit der Welt15A.a.O., S.241f. und eben nicht sich ausschließende Gegensätze.

Das Grunddilemma bleibt bestehen, in diesem Spannungsfeld werden heute weitere Ausdrucksformen und Erfahrungsräume erschlossen, die nicht als „Krücke“ verstanden werden dürfen, sondern als ein konstruktives Aufnehmen und Auseinandersetzen mit den Erscheinungen unseres Jahrtausends. Manfred Pirner prägte den bezeichnenden Begriff „Religiosität auf Distanz“ als charakteristisches Merkmal unserer Gegenwartskultur.16Pirner, M.: Kulturelle Transformation von Religion, in: Lachmann; Rothgangel; Schröder (Hg.): Christentum und Religionen elementar. Göttingen 2010. S.321- 323. In seinen Ausführungen verdeutlicht er, in welch hohem Maß auch heute noch Menschen Bedarf an gemeinschaftsbildenden, tragenden, sinngebenden Strukturen haben und religiöse Ausdrucksformen (unbewusst) transformieren.17Vgl. u.a. Phänome aus Werbung, Fankultur u.a. Für das Durchdringen eines Religionsverständnisses bildet dies eine wichtige Grundlage, bedarf aber ebenso der Überprüfung der Beständigkeit und Rückversicherung, denn: Religion und das Religiöse hat etwas mit dem zu tun, woran Menschen „ihr Herz hängen“ (M. Luther).18Freudenberg, H.; Großmann, K. (Hg.): Sachwissen Religion. Göttingen 1995. S.12. Denn woher sich Menschen verstehen, da kann es keine Versicherung geben, aber Gewissheit, die auf Vertrauen und Erfahrung beruht. Und dieses Gefühl ist zu stärken.

4. Didaktische Überlegungen und Einordnung in den Lehrplan

Die zu betrachtende Unterrichtsstunde ordnet sich in den Kompetenzschwerpunkt Theologie des Fachlehrplans: evangelische Religion19Kultusministerium Sachsen-Anhalt (Hg.): Fachlehrplan Sekundarschule. Evangelische Religion. 2012.S.9 des Doppeljahrgangs 5/6 ein und versteht sich als eine Grundlagenstunde innerhalb der Sequenz. Hier sollen biblische Gottesbilder entdeckt und reflektiert sowie die Fähigkeit erworben werden, eigenen Fragen an Gott Ausdruck zu verleihen, wobei sich auf Gottesbilder des Alten und Neuen Testaments in Geschichten und Psalmen als grundlegende Wissensbestände bezogen wird.

Um dafür notwendige Grundlagen zu legen, wird vorrangig an der allgemeinreligiösen prozessgebundenen Kompetenz: Wahrnehmung und Darstellung20Vgl. a.a.O. S.4 gearbeitet, die auf die Entwicklung einer religiösen Sensibilität im Erkennen religiöser Symboliken in gegenwärtig vorzufindenden Erscheinungen ausgerichtet ist.21Vgl. Symbole im 1. Teil der Stunde Desweiteren wird einerseits durch die dialogisch angelegte Unterrichtsstruktur sowie andererseits durch die geforderte Perspektivenübernahme im Märchen der Himmelsfrauen an der prozessgebundenen Kompetenz „Kommunikation und Dialog gearbeitet“.22Vgl. a.a.O. S.5 Der zu erwartende Kompetenzzuwachs innerhalb der Stunde ist am angebotenen Material (Märchen) und der Kommunikation des Ergebnisses (nichtgegenständliche Werte) zu prüfen.

Sich im Anfangsunterricht der Sekundarstufe mit Religion oder dem Religiösen auseinanderzusetzen, klingt gewagt angesichts der Diversität des Begriffs, setzt aber auf der grundsätzlichen Ebene an. Türöffner für die SuS anzubieten, um mehrdimensionalen Gegenständen und Erscheinungen begründete Bedeutungen zuzufügen, ist exemplarisch für das Deuten der Wirklichkeit. Diese Betrachtungsweise gründet sich, neben der allgemeinen Didaktik, auf die Symboldidaktik nach Biehl23Pfister, St.; Roser, M.: Fachdidaktisches Orientierungswissen für den RU. Göttingen 2015. S. 26- 43., wobei der Erschließungsweg von der lebensweltlichen (Was finde ich um mich? – 1. Teil der Stunde= Symbole/ Zeichen, die den SuS in ihrer Lebenswirklichkeit begegnen) über die religiöse (das Geheimnis/das Unverfügbare – 2. Teil der Stunde = Märchen von den Himmelsfrauen) zur christlichen Symbolebene (Gott – Schluss der Stunde = Vertrauen/Liebe/Freude …) angelegt ist.

Entsprechend der kritisch – konstruktiven Didaktik (Klafki) 24Hanisch, Helmut: Unterrichtsplanungen im Fach Religion. Theorie und Praxis, Göttingen 2007. S.101-140., lässt sich, bezogen auf diese Stunde, ausführen, dass die SuS innerhalb ihres Lebens mit religiösen Zeichen und Symbolen in Berührung kamen und kommen. Dieses Vorkommen muss aufgegriffen werden, um den SuS besonders in ihrer anthropologischen Entwicklungsstufe25Vgl. Bedingungsanalyse Sprache für „Unsagbares“ anzubieten. Damit wird das Begleiten innerhalb ihrer momentan erlebten Umbruchssituation durch neue Ausdrucksformen möglich. Der Gefahr, Leerstellen mit extremen und kompromisslosen Angeboten zu füllen, soll entgegengetreten werden. Religiös wahrnehmungs- und sprachfähig zu werden, bildet die Grundlage des weiteren Religionsunterrichts26Z.B. Gottesbilder/in anderen Religionen/in der globalisierten Welt/Pluralität, um die SuS in Klasse 10 zu einem urteilsfähigen Zugang zu religiösen Phänomenen und Ausdrucksformen zu befähigen.27Kultusministerium Sachsen- Anhalt (Hg.): Fachlehrplan für die Sekundarschule. Evangelische Religion. 2012. Die starke Konfrontation, besonders innerhalb der Medien mit häufig religiös besetzter Zeichen- und Symbolsprache muss für mündige Bürger erschließbar sein, um einer Manipulation etwas entgegensetzen zu können. Auch ist dem Religionsunterricht ein Verständnis vom Menschsein immanent, welches mehr als das „Messbare“ umfasst, wofür es Stärkung für die SuS sowie entsprechende Ausdrucksformen braucht.

Damit wird die grundlegende Zukunftsbedeutung der zu entwickelnden Kompetenzen deutlich.

5. Zur Begründung der methodischen Entscheidungen

Im Folgenden diskutiere ich die Methoden, Sozialformen und Medien, die zentral für die Entwicklung der angestrebten Kompetenz und Herausbildung einer zu etablierenden Unterrichtsform in Klasse 5/6 sind.

Die Stunde beginnt mit dem Stundeneröffnungsritual „Wir sind hier…“, das Anschlagen der Klangschale und Hören bis zum Verklingen, welches seit zwei Stunden in dieser Lerngruppe etabliert wird. Diese Methode fungiert inhaltsunabhängig und verfolgt das Ziel, eine klare Unterrichtsstruktur zu formen, Verlässlichkeit anzubieten, einen Punkt zum Lösen vom Pausengeschehen28Greving, J; Paradies, L.: Unterrichtseinstiege. Cornelsen 1996., hinein in diese Lerngruppe, zu gestalten und einen Ruhemoment vor dem Unterrichtseinstieg zu bieten. Diese Lerngruppe befindet sich noch in der Phase des Kennenlernens, so dass die Wirkung des Rituals erst in einigen Stunden reflektiert werden kann, um dann gegebenenfalls Veränderungen vor zu nehmen. Das Eröffnungsritual findet im Stuhlkreis um eine gestaltete Mitte statt, um den lerngruppenbildenden Charakter dieser Methode und die Zentrierung zu unterstreichen.

Auch das dann folgende Verlesen des Stundenfahrplans dient der Orientierung für die SuS und Vergegenwärtigung des Stundenziels. Im Laufe der nächsten Stunden werden hier die SuS schrittweise mit beteiligt (Vorlesen- Zusammenfassen- Fahrplanwächter).

Die sich anschließende Erkundung innerhalb des Klassenraums erfüllt zwei verschiedene Zielebenen. Einerseits soll sie den Bewegungsdrang dieser Altersgruppe aufgreifen und zum Lernen nutzen, sie soll Freude implizieren, denn was in glücklichem oder freudigem Zustand gelernt wird, verankert sich fundamental im Gehirn.29Hüther, Gerald: Ohne Gefühl geht gar nichts! Worauf es beim Lernen ankommt. Müllheim 2009 und Spitzer, Manfred: Wir lernen immer. Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Müllheim 2008. Andererseits stellt diese Methode eine Reaktivierung des Gelernten aus der vorangegangenen Stunde dar, weshalb es keine Erkundung im Sinn von „neuem Entdecken“, sondern von „Wiederentdecken“ ist. In dieser Phase bietet sich auch die Wiederholung durch eine gestaltete Mitte in Form einer thematischen Decke an.30Blumhagen, D.: 55 Methoden Religion. Donauwörth 2014. S. 54f. Dies würde den Vorteil bieten, dass die SuS zügiger die Inhalte der vorherigen Stunde aktivieren, wobei sich aber nur Einige beteiligen und die körperliche und damit verbundene Hirnaktivierung fehlen würde. Auch ist es lerntheoretisch begründet, Abwechslung zwischen den Lernphasen zu planen. Das wäre nicht gegeben, da der neue Lerngegenstand auf Grund der gewählten Begegnungsform (Hören) auch im Stuhlkreis vermittelt wird.

Mittelpunkt dieser Stunde bildet das Hören des Märchens: Augen für das Unsichtbare. Ich habe mich ganz bewusst für das Erzählen ohne bildliche oder sprachliche Verdeutlichung in Form von Applikationen entschieden, um den SuS die Möglichkeit zu bieten, beim Hören eigene innere Bilder zu imaginieren.31Neues Vorlesebuch Religion. Steinwede, D. (Hg.).Lahr 1996. S.15. Da das Ziel dieser Erzählung nicht die genaue Nacherzählung, sondern das Hineindenken in die Personen und Ereignisse ist, um zu staunen und anschließend Worte für das „Nichtzusehende“ zu finden, habe ich die ansonsten gute Methode des Erzählkoffers32Vgl. a.a.O. S.7 hier nicht gewählt. Zur Fokussierung auf die erzählende Person und notwendigen Konzentration sitzen die SuS im Stuhlkreis.

Für den Austausch über die Inhalte des Korbs (vgl. Märchen) besprechen sich die SuS in Partnerarbeit mit ihrem jeweiligen Nachbarn und formulieren einen Punkt auf vorbereitete Zettel. Diese Form soll die vorherige hohe Konzentrationsphase ablösen und ein freieres Gespräch aller SuS ermöglichen. Desweiteren werden die Ergebnisse schon zusammengefasst. Ein Austausch im Plenum oder das Aufschreiben der Begriffe in Einzelarbeit, um sie dann an der Tafel zu visualisieren, ist möglich, dabei würde aber der mir wichtige Aspekt des Wechsels von An- und Entspannung im Unterrichtsverlauf, der Wechsel von Sozialformen und das Zusammenfassen durch SuS wegfallen.

Die Arbeitsphasen schließen zur Realisierung der Kompetenzorientierung und –entwicklung mit einem Feedback.

Den ritualisierten Abschluss bildet die Klangschale33Vgl. oben.

Die eingesetzten Zeichen und Symbole ermöglichen immer eine einfache Zuschreibung und eine mehrdimensionale: z.B. Kerze= Licht//Wärme, Geborgenheit, Advent, Gemütlichkeit oder  Schirm= für Regen//Schutz, Hilfe, Bewahrung, Gott …

Das zentrale Vermittlungsmedium ist das Märchen: Augen für das Unsichtbare. Es wird in anschaulicher Sprache erzählt, wobei darauf geachtet wird, dass die unterschiedlichen Lernkanäle (visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch, gustatorisch) durch die gewählten Worte bedient werden.

6. Verlaufsplanung

7. Literaturverzeichnis

Blumhagen, D.: 55 Methoden Religion. Donauwörth 2014

Feil, E.: Die Theologie Dietrich Bonhoeffers, München/Mainz 1971

Fowler,J.: Stufen des Glaubens. Gütersloh 2000

Freudenberg, H.; Großmann, K. (Hg.): Sachwissen Religion. Göttingen 1995

Greving, J; Paradies, L.: Unterrichtseinstiege. Cornelsen 1996

Hanisch, Helmut: Unterrichtsplanungen im Fach Religion. Theorie und Praxis, Göttingen 2007

Könemann, Judith: Artikel Religion, in: https://www.bibelwissenschaft.de/wirelex/das-wissenschaftlich-religionspaedagogische-lexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/religion/ch/e0301487880432cb1938da48a2cb907c/

Dober, Rolf : Was ist eigentlich Religion in: http://www.dober.de/reli-rallye/tillich.html aus: Tillich, P.: Die verlorene Dimension, Stuttgart 1969.

Hüther, Gerald: Ohne Gefühl geht gar nichts! Worauf es beim Lernen ankommt. Müllheim 2009

Jele, F.: Augen für das Unsichtbare. Grundfragen und Ziele religiöser Bildung. Zürich/ Köln 1981

Kultusministerium Sachsen- Anhalt (Hg.): Fachlehrplan Grundschule. Evangelische Religion 2007

Kultusministerium Sachsen- Anhalt (Hg.): Lehrplan Sekundarschule. Grundsatzband 2012

Kultusministerium Sachsen- Anhalt. (Hg.) Fachlehrplan Sekundarschule. Evangelische Religion 2012

Neues Vorlesebuch Religion. Steinwede, D. (Hg.)Lahr 1996

Oser/ Gmünder: Der Mensch- Stufen seiner religiösen Entwicklung, in: Büttner/Dieterich (Hg.): Die religiös Entwicklung des Menschen, Stuttgart 2000

Otto, G. (Hg.): Sachkunde Religion 1.Stuttgart 1994

Pfister, St.; Roser, M.: Fachdidaktisches Orientierungswissen für den RU. Göttingen 2015

Pirner, M.: Kulturelle Transformation von Religion, in: Lachmann; Rothgangel; Schröder (Hg.):Christentum und Religionen elementar, Göttingen 2010

Freudenberg, H. und Großmann, K. (Hg.): Sachwissen Religion. .Göttingen 1995

Saward, J.: Labyrinthe und Irrgärten. Aarau und München. 2003

Schweitzer; Erikson: Vom Grundvertrauen zur Identität, in: Schweitzer: Lebensgeschichte und Religionen. Güthersloh 2007

Spitzer, Manfred: Wir lernen immer. Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Müllheim 2008

8. Anhang

Sequenzplanung Klasse 5/6- 2018/19

Kompetenzschwerpunkt: Theologie- biblische Gottesbilder reflektieren und eigenen Fragen an Gott Ausdruck verleihen

Zu entwickelnde prozessgebundene Kompetenzen: Wahrnehmung und Darstellung // Gestaltung

Leitthema der Sequenz: Das Religiöse und Göttliche in uns und um uns- eine Spurensuche durch den Alltag

Zu entwickelnde Kompetenz religiöser Bildung:

Die SuS können das Religiöse, Gott als Geheimnis und Unverfügbares selbstständig anhand von religiös tradierten Geschichten, von Symbolen, überlieferten Bauten sowie mit Hilfe selbst gewählter Gesprächspartner wahrnehmen und in einem kriteriengeleiteten „Stadtführer Religion“ gestaltend darstellen.

Lehrbuch: Hahn,M.; Schulte, A.(Hg.): reliplus 1. Evangelische Religion. Leipzig/ Stuttgart 2013.

 

Verwendete Symbole mit Erwartungshorizont (in Auswahl durch die SuS!)

Kerze: heller, Licht, Wärme, Gemütlichkeit

Kreuz:  Tod Jesu, Kirche, Erkennung

CD: Musik, Weihnachtslieder

Engel: Schutz, Vertraute(r), Hilfe

Krippe: Tiere, Futter, Weihnachten, Jesus

Bibel: Buch, Sammlung, Geschichten von Jesus

Alpha/Omega:  von Anfang bis zum Ende

Regenbogen: Versprechen, Vertrauen, Hoffnung

Brot: satt werden, Abendmahl, Jesus

Segenswürfel: gemeinsamer Schluss, Trost, Angst, Hilfe

Luther: Mann, Glauben, Gott, Kirche

Ball: Fußballstadion, heilig, Gemeinschaft

Schirm: beschirmt sein, Hilfe, Schutz

Burg: Schutz, Kraft

Holzplastik eines Paares: Vertrauen, Liebe

Stein mit Applikation Blume: Frieden

Hebräische Schriftzüge: Altes, Bibel

Holzmodell Kirche: Gebäude, Ort des Glaubens, Ort für Gott, Christen

 

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Fußnoten

Fußnoten
1 Im folgenden mit SuS abgekürzt.
2 Vgl. Fowler,J.: Stufen des Glaubens, Gütersloh 2000. Oser/Gmünder: Der Mensch- Stufen seiner religiösen Entwicklung, in: Büttner/Dieterich(Hg.), Die religiöse Entwicklung des Menschen, Stuttgart 2000, S.123-152. Schweitzer; Erikson: Vom Grundvertrauen zur Identität, in: Schweitzer: Lebensgeschichte und Religion, Güthersloh 2007, S.71-103.
3 Pirner, M.: Kulturelle Transformation von Religion, in: Lachmann; Rothgangel; Schröder (Hg.): Christentum und Religionen elementar, Göttingen 2010, S. 313-327.
4 Kultusministerium Sachsen- Anhalt (Hg.): Fachlehrplan Grundschule. Evangelische Religion.2007, S.7; 15.
5 Vgl. Kommentierter Sitzplan im Anhang
6 Ebd.
7 Kultusministerium Sachsen- Anhalt (Hg.): Lehrplan Sekundarschule. Grundsatzband.2012, S.12.
8 http://www.dober.de/reli-rallye/tillich.html aus: Tillich, P.: Die verlorene Dimension, Stuttgart 1969.
9 https://www.bibelwissenschaft.de/wirelex/das-wissenschaftlich-religionspaedagogische-lexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/religion/ch/e0301487880432cb1938da48a2cb907c/
10 Kultusministerium Sachsen- Anhalt. (Hg.) Fachlehrplan Sekundarschule. Evangelische Religion.2012, S.3.
11 Sachwissen Religion. Freudenberg, H.; Großmann, K. (Hg.).Göttingen 1995. S.9.
12 Jele, F.: Augen für das Unsichtbare. Grundfragen und Ziele religiöser Bildung. Zürich/ Köln 1981. S.94f.
13 Otto, G. (Hg.): Sachkunde Religion 1.Stuttgart 1994. S.260.
14 Feil, E.: Die Theologie Dietrich Bonhoeffers, München/Mainz 1971. S.346.
15 A.a.O., S.241f.
16 Pirner, M.: Kulturelle Transformation von Religion, in: Lachmann; Rothgangel; Schröder (Hg.): Christentum und Religionen elementar. Göttingen 2010. S.321- 323.
17 Vgl. u.a. Phänome aus Werbung, Fankultur u.a.
18 Freudenberg, H.; Großmann, K. (Hg.): Sachwissen Religion. Göttingen 1995. S.12.
19 Kultusministerium Sachsen-Anhalt (Hg.): Fachlehrplan Sekundarschule. Evangelische Religion. 2012.S.9
20 Vgl. a.a.O. S.4
21 Vgl. Symbole im 1. Teil der Stunde
22 Vgl. a.a.O. S.5
23 Pfister, St.; Roser, M.: Fachdidaktisches Orientierungswissen für den RU. Göttingen 2015. S. 26- 43.
24 Hanisch, Helmut: Unterrichtsplanungen im Fach Religion. Theorie und Praxis, Göttingen 2007. S.101-140.
25 Vgl. Bedingungsanalyse
26 Z.B. Gottesbilder/in anderen Religionen/in der globalisierten Welt/Pluralität
27 Kultusministerium Sachsen- Anhalt (Hg.): Fachlehrplan für die Sekundarschule. Evangelische Religion. 2012.
28 Greving, J; Paradies, L.: Unterrichtseinstiege. Cornelsen 1996.
29 Hüther, Gerald: Ohne Gefühl geht gar nichts! Worauf es beim Lernen ankommt. Müllheim 2009 und Spitzer, Manfred: Wir lernen immer. Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Müllheim 2008.
30 Blumhagen, D.: 55 Methoden Religion. Donauwörth 2014. S. 54f.
31 Neues Vorlesebuch Religion. Steinwede, D. (Hg.).Lahr 1996. S.15.
32 Vgl. a.a.O. S.7
33 Vgl. oben

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